Monday, February 24, 2014

Emotionale Blickführung

Für diejenigen, die nicht Motorradfahren oder sich damit beschäftigt haben, mit Blickführung ist das Konzept gemeint, dass das Motorrad dorthin fährt wo man hinschaut. Das bedeutet, dass der Fahrer z.B. in Kurven nicht vor das Motorrad sehen soll, sondern zum Kurvenausgang hin. Genauso soll man immer den Blick heben, also gerade aus schauen, und nie nach unten, d.h. vor den Reifen. Dies hat zum Ziel, das Gleichgewicht besser zu halten, da so auch kleinere Bewegungen des Motorrads leichter wahrgenommen werden.
Ein weiteres Konzept, dass in diesem Zusammenhang oft genannt wird, ist die Zielfixierung (im engl. target fixation). D.h. der Fahrer nimmt eine Gefahr war, z.B. ein Gegenstand auf der Strasse, und ist so sehr in der Angst gefangen, diesen Gegenstand zu überfahren, dass er den Blick nicht davon nehmen kann mit dem Ergebnis, dass er darüber fährt.

Was hat das nun mit emotionaler Blickführung zu tun? Durch einen Anlass, der hier keine Rolle spielt, hab ich mich in der Situation befunden, einem Freund in einer emotional herausfordernden Phase zu helfen. Dabei ist mir aufgefallen, dass das grösste Problem war, dass er sich so sehr mit den negativen Auswirkungen der Situation befasst hat, dass er völlig den Blick dafür verloren hat, was für ihn wichtig war und was er eigentlich erreichen wollte.

Das Problem ist sicher jedem auf die eine oder andere Art bekannt. Anstatt sich mit der Lösung zu beschäftigen, beschäftigt man sich nur mit dem Problem. Und das worauf wir uns konzentrieren wird zu unserem Fokus und damit verstärkt. Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück, als ich angefangen habe zu Segelfliegen. Damals hat sich mein Blick nach oben gewandt und ich war überrascht, wie viele Segelflieger es am Himmel gibt. Die waren selbstverständlich auch vorher da, nur habe ich da nie hingesehen. Genauso ist es mit emotionalen Fokus. Wenn ich mich ständig damit beschäftige, dass etwas negatives eintreten könnte, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert. Und selbst wenn es nicht eintritt, beeinflusst es mich doch negativ, da ich ständig diese Art Gedanken mit mir herumtrage.

Das positive an diesem Konzept ist, dass es genauso in die andere Richtung funktioniert. Beschäftige ich mich gedanklich mit etwas positiven, ändere ich in diesem Moment meine innere Haltung. Das kann so stark werden, dass meine Ausstrahlung das widerspiegelt. Meine Wahrnehmung ändert sich - Dinge, die vorher negativ betrachtet wurden, werden nun ignoriert oder in einem anderen Licht gesehen, mit dem Ergebnis, dass das Problem in den Hintergrund tritt.

In der Situation mit meinem Freund habe ich versucht ihm das klar zu machen. Geholfen hat hier, dass er früher auch Motorrad gefahren ist und somit mit dem Bild, das ich benutzt habe, direkt etwas anfangen konnte. Ich konnte ihm vermitteln, das seine Situationen immer wieder negativ ausgegangen sind, weil er durch seine Betrachtungsweise gar nicht zugelassen hat, dass sie sich anders entwickeln konnten.
Das Ergebnis von unserem Gespräch war beeindruckend. Er konnte das nächste Mal die Situation komplett drehen. Das ist sicherlich kein repräsentatives Beispiel, da es gerade in emotionalen Dingen häufig schwierig ist, den Fokus so komplett zu wechseln. Auch ist es in Beziehungen so, dass i.d.R. zwei Personen für das Ergebnis verantwortlich sind. Nur braucht es einen, der mit Veränderungen beginnt. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr sich eine Situation ändert, wenn man seine eigene Einstellung ändert und anpasst.

Alles in allem beschreibe ich hier nichts neues. Aber manchmal hilft ein anderes Bild ein Konzept neu zu begreifen.

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